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3473 Mühlbach am Manhartsberg 23
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"Der Homer vom Manhartsberg"

Der wohl berühmteste Mühlbacher ist der Mundartdichter Joseph Misson, der am 14. 3. 1803 als Sohn und jüngstes Kind unter 8 Geschwistern eines, aus Udine stammenden Hausierers und „Kaufmannes“, im Ort geboren wurde. Der Pfarrer von Mühlbach bereitete den intelligenten Knaben zum Besuch des Gymnasiums Krems vor. Joseph besuchte die damals sechsklassige Anstalt bis 1823 und trat im gleichen Jahr als Novize in das Kremser Stammhaus der Piaristen ein. Von 1826 bis 1853 war er als Professor an verschiedenen Gymnasien in Horn, Krems, Freistadt, Wien (St. Thekla) tätig. Seine zunehmende Schwerhörigkeit beendete seine Lehrtätigkeit und er wirkte als Geistlicher in Krems und Stein, verstarb 1875 völlig taub als Bibliothekar von St. Thekla in Wien. Sein Biograf, der Piarist Dr. Karl Landsteiner, kennzeichnet Misson als spätreifenden, fantasievollen Menschen. In ihm lebte ein ungestilltes Fernweh, das sich schon in den Wanderungen äußerte, die er in seiner Gymnasialzeit mit seinem Studienkollegen Boyer aus Mühlbach unternahm. In Wien schuf er sich nach einer geplanten Überseereise eine Traumwelt in den Urwäldern von Amerika, bei den Indianern und im Goldlande Kalifornien. Noch stärker als das Streben in die Ferne war seine Sehnsucht nach dem heimatlichen Mühlbach, das er nur schweren Herzens verlassen hatte und in das er sich in der Abgeschiedenheit seines Ordenslebens, sein ganzes Leben zurücksehnte. Ergreifend klingen daher seine Verse in einem Nachlassgedicht:
Nur noch einmal im Leben möchte ich die Fluren grüßen,
wo der Kindheit Träume mein Haupt umschwebten!

Diese Unerfülltheit äußerte sich bei Misson im Drang zur Mitteilung, zur dichterischen Aussage. Sein „Sich – Mitteilen - wollen“ war zugleich ein Gegengewicht zu seiner Schwerhörigkeit, die ihm den Schuldienst verleideten und den Kontakt zur Außenwelt erschwerten. Es lag daher nahe, dass Misson, ein geborener Erzähler, sich der epischen Form bediente, um seinen inneren Gesichten Gestalt zu verleihen. Für den „Fabelhans“ Misson, der gerne im Freundeskreis seine Schnurren zum Besten gab, war die Gewissheit zu ertauben die schwerste Prüfung seines Lebens.
Sein in Hexametern verfasstes Bauernepos „Da Naz“ gilt als Klassiker der „ui-Mundart“:
Naz, guiti Nacht! Schlaf gsund, Naz! Laß da was Guits bei uns trama!
Naz, gute Nacht! Schlafe gesund, Naz! Lasse dir etwas Gutes bei uns träumen!
„Naz iatzn los – dös, was a da sa, dös sagt da dein Vader,
ich und dein Muider san alt, und dahoam, woaßt as eh, schaut nix aussa.“
„Naz, höre zu – das, was ich jetzt sage, das sagt dir dein Vater,
ich und deine Mutter sind alt, und zu Hause, weißt es ja, ist nichts zu verdienen.“

1953 konstituierte sich ein Misson - Bund, 1974 wurde das Geburtshaus Missons unter Denkmalschutz gestellt und 1975 eine Misson - Gedenkstätte eingerichtet.
In der Misson - Gedenkstätte befindet sich eine der umfangreichsten Mundartbüchereien Österreichs.

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