Geschichte

Sepp RittlerSepp Rittler wurde am 4. August 1892 in Fels am Wagram geboren, seine Eltern betrieben damals dort eine Gastwirtschaft. Der junge Mann erhielt eine sorgfältige Erziehung und absolvierte eine öffentliche Handelsschule in Wien – Strebersdorf. Die Welt zu Hause wurde ihm aber zu eng.  In dem Jüngling wohnte eine unbezwingbare Wanderlust. Es trieb ihn hinaus in die Ferne.

„Der Morgen tagt im Osten kaum, da bin ich auch schon munter.
In eis’ger Luft ächzt Busch und Baum, da geht es frisch hinunter.“

Auf seinen Wanderungen die er größtenteils zu Fuß machte, kam er durch das ganze damalige Österreich – Ungarn, Nord- und Süddeutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien und auf den Balkan. Eben in dieser Zeit entstand in dem jungen Wanderburschen Sepp Rittler der Drang zu dichterischem Wirken. Es sind echte Volks- und Heurigenlieder, die damals entstanden.
1914 wurde Sepp Rittler zu den Waffen gerufen. Er wurde aus seiner Stellung als Redaktionsbeamter der „Stuttgarter Tageszeitung“ unter die Waffen gerufen und leistete bis 1917 seinen Kriegsdienst. Aus seinem Militärverband wurde er als kriegsinvalide entlassen. Er fand sodann als Schreibkraft im Landesverteidigungsministerium Arbeit und blieb dort bis zum Umsturz. Dann kehrte er in seine Heimat zurück, verheiratete sich 1918 mit Maria Leithner in Kirchberg und wurde Vater von 2 Kindern. Er betätigte sich im Laufe der Zeit in den verschiedensten Berufen. Es folgten einige Jahre im Kirchberger Steueramt und an der Tullner Bezirkshauptmannschaft. Er war auch ein ungemein volkstümlicher Wirt in einem Kirchberger Bahnhofsbuffett, Kirtag- und Marktstandler. Im Jahre 1928 gründete er die „Niederösterreichische Presse“, eine Wochenzeitung, die infolge der echt volkstümlichen Führung der Redaktion durch Sepp Rittler in Kirchberg am Wagram und den umliegenden Gerichtsbezirken verhältnismäßig großen Aufschwung nahm und später mit einer Zeitung der Druckerei Karl Siller in Krems vereinigt wurde und sodann als „Niederösterreichisches Volksblatt“ erschien.
Aus der Feder von Sepp Rittler stammen jedoch auch viele Theaterstücke, die durchwegs volkstümlichen Charakter tragen, so zum Beispiel „S’ G’hoamnis“, ein Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Akten, welches am Stadttheater Krems an der Donau uraufgeführt wurde. Die Musik hierzu schrieb der Wiener Komponist Rudolf Kronegger. „Räuberhauptmann Grasl“ war seinerzeit als Lustspiel sehr bekannt und viel gespielt. Mit der ländlichen Posse „Der Schatz im Keller“ ( Musik von Bernhard Kaempfner“) hatte Sepp Rittler viel Erfolg errungen.
Liedertexte, wie „ I kenn zwa blinde Musikanten“ oder „Mei Schatzerl is a Schaffnerin“ wurden von Robert Stolz, sowie ein seinerzeitiges Kriegslied „Kampflied der Wiener“ von C.M. Ziehrer, dem letzten Hofballmusikdirektor, vertont. Weiters schrieb er mehr als 100 Einakter.
Besonderen Ruf erlangte Sepp Rittler jedoch als Mundartdichter. Hier wären wohl unzählige Gedichte zu nennen und wurden von Sepp Rittler eben durch seine vielen, wirklich volksnahen, in Niederösterreichischer Mundart gehaltenen Gedichte besonders bekannt.
In seinen dichterischen und schriftstellerischen Wirken kannte Sepp Rittler keine Pausen. So hinterließ er vielerlei Theater- und Gedichtsammlungen, die zusammen einen schönen Beitrag zu unserem heimatlichen Schrifttum bilden.
1939 wurde Sepp Rittler Versicherer bei Anglo-Elementar und stieg schnell zum Gebietsvertreter für ganz Niederösterreich auf. Bei Dichterlesungen wurde er nun mit Größen wie Weinheber eingeladen.
Leider starb Sepp Rittler nach längerer, schwerer Krankheit im Krankenhaus Stockerau am 12. Dezember 1942, im 51. Lebensjahr. Mit seinem Tod verlor Niederösterreich einen seiner besten Volkslyriker. Seine letzte Ruhestätte fand er am Friedhof zu Kirchberg am Wagram.
Ihm zu Ehren wurde später eine Straße in Kirchberg – die „Sepp Rittler Straße“ im Ortsteil Tobel benannt.

Sepp Rittler
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