A Glaserl Wei’ . . . .
Sepp Rittler
(Weinviertler Mundart)

I trink' so gern a Glaserl Wei' ,
an Heurig’n, an 0lt'n;
es muaß net grod a Spezi sei',
nur s'Grüchal muaß si' holt'n.

Und schenkt mir wer an Rott’n ei',
der klor und edel funktlt,
do riach i net, do trink' i glei',
weil guat sei Herberl munk’lt!

Mir is a jedes Glaserl recht,
nur goldjg muaß ma blinkt’n,
i g'spür's a glei, wann es net echt,
a zweit's tat i net trink'n!

Im Summa, tiaf im Kölla d'runt,
do muaß i niamols schwitz'n,
denn zwisch’n Fasser, groß und rund
­mirkst nix von oana Hitz'n.

Wonn donn mi'n Hewa s’Glaserl g'füllt,
dös Weindal spritzt in d'Nos'n,
do is mei gonz Valonga g'stüllt
- mir soll'ns den Hob'l blos’n.

I trink net z'vü und a net z'weng,
‘s kimmt auf’n Durscht net au.
So oft i noch mein Glaserl g’läng,
do schlipfalt a mei Frau.

Da sogt’s net na und trinkt mit G’spür,
a Stückal G’söcht's am Tölla
an Reaka Hausbrot teilt's mit mir
am lieabst’n huckt’s im Kölla.

Vom singa is bei uns koa Red’,
denn do kimmst net zum Tringa,
wir sitz’n stü’und rühr’n uns net,
tan nur dös Glaserl zwinga.

Und hob’n ma g'nua, donn geh'n ma Hoam
und leg' n uns recht stad nieda
und g' freun uns scho in olle G’hoam
auf's nächste Glaserl wieda.

Ein Jahr im Weingarten

Der Rebschnitt die erste Arbeit
im Weinberg sie muss geschehen,
genaues Planen und sehr oft spritzen
bevor sie vom Lohn noch etwas sehn.

Ungeziefer – Schmarotzer und Pilze
bedroh’n das ganze Jahr,
die edelste Frucht der Früchte
für den Erfolg – die größte Gefahr.

Die Sonne spendet all ihre Kräfte
sie bestrahlt so mit ihrer Glut,
zum Segen der Hauer die Trauben
eine Hoffnung – die Ernte wird gut.

Allmählich kommt nun die Lese
die schönste Zeit im Jahr,
die Trauben – sie werden gekeltert
gepresst – wie es immer schon war.

In Fässer gefüllt und im Keller
die stürmische Zeit jetzt beginnt,
die größte Gefahr für den Winzer
wenn er es leichtsinnig nimmt.

Hier ist nun der Jüngste – nicht minder
vergoren in kürzester Zeit,
zur Freude für seine Genießer
ein Prosit auf die Gemütlichkeit.


Koa Blüa ohne Müah
Sepp Rittler

I tui gen Mist eitrogn,
i tui gen schneidn,
muiß i mi no so plobm,
i tui ' s mit Freidn.

I tui gen Stecka schlogn,
i tui gen bindn,
mo iwa d 'Plo net klogn,
wauns a ho aßt schindn.

I tui gen schean und haun
an Stock an niadn,
mia is um d'Plo net baung,
i scheich koa Miadn.

I tui gen Buttn trogn,
gen wägn und messen,
in Moasch in d 'Load eischlogn,
hoamfohrn und pressen.

Owa am liabsten tui i,
waun mia tuit winka,
da neiche Wei im Krui,
den Wei i trinka!


Im Les’n
(
Weinviertler Mundart)
Sepp Rittler
Im Weigat drom gehts lusti zui,
s ' wiad gsunga und wiad glocht,
a volli Buttn hot da Bui
grod zu da Boding brocht.

In d 'Weibamü wem d 'Weiba glaht
und in de Boding broat
werdn ' s duach de Woizn durchidraht,
drauf kimmt da Moasch in d 'Load.

Min Leswogn wiad a weggagfiihrt,
es glinserlt spot und fria,
es leitn d 'Roß bei an niadn Schriat,
weuls Glöckerl trogn am Gschia.

Da Leskraunz bangt am Preßbaum drau,
da Most rinnt von da Büad,
de Spindl draht a oida Mau,
des mocht'n goa net müad.

Da Köllagrobn is auf und auf
voi Fuawerk und voi Foß,
s'wird kost und gwägn, s'geht da Kauf
ums braune, süaße Noß.

Und owan Grobm, bergauf, berg o
do is a lustigs Lebm,
do schneidn d 'Leit de Weiba o
vo hundert tausnd Rebm.


Der Weinstock

Schon vor tausenden von Jahren im alten Testament,
der Weinstock als solcher wurde erwähnt.

Als  Krone der Früchte auf dem Erdenball,
und König der Genüsse im festlichen Saal. 

Im Alter bei manchen zitternden Greis,
Kräfte spendend kalt oder heiß. 

Er wird auch leider gar oft zum Fluch,
wenn er zu reichlich genossen, ein geistiger Bruch.

Mit Maß und Ziel getrunken er wirkt als Medizin,
lässt Kummer vergessen mit freudigen Sinn. 

Darum  genieße mit Vorsicht   den   edlen Saft,
er   ist sehr bekömmlich und gibt dir auch Kraft. 

Bevor a ned im Foß is
Henriette Pruckner
In Mai konn mid de Eismonna scho wos passiern,
oda es konn regna zur unrechtn Zeid, untern Bliahn,
oda d Wurm san in de Blüah, is a Onsehgn, a horts,
oda d Kraungat kirnt ins Laab und d Weinba werdn schworz,
und Milbm und Käfa und Mottn gibts vü,
weil jeds am Weinstock si onfressn wüll.
Vo da Reblaus wüll i gor nix do sogn,
des is da größte Jomma, kam zun Datrogn,
s Spritzn sollst ned üwasehgn, es Schwefln, es Staubm,
und vo de Weinba muaßt d Wurm' owaklaubm,
oda da Schau' haut olls zomm, und du stehst do,
und d Wossastubm geht üwa, und d Gstettn trogts o,
oda d Engaling tan de junga Stöckl runiern,
oda d Weinba dafäuln oda kinan ned aufgeh vor Dürrn,
und wia sollst di vo de Hosn und de ondern Viecha dawihrn,
und z'letzt keman drüwa noh d Starl,
und in Lesn stehst do mit a poor Paarl ….
Bevor a ned in Foß is, da Wein, derf si da Haua ned gfreun.

Anmerkung:
,,a poor Paarl" Zwei Butten Trauben, auf dem Schubkarren festgebunden und so in den Keller geführt, waren ein „Paar". Mit dem Lesafeitl wurde auf einem „Überstückl", das war ein ausgedienter alter Weinstecken, für jedes Paar eine Kerbe ge­macht, dass man den Ertrag des Weingartens dann wusste.

Der Tod eines Hauers
Henriette Bruckner

Furtgeh miassn — iatzt scho?
Er häd so gern no wos ton —
D’Hand krompfan si zomm,
ols möchtns wos findn, wos hom,
ols möchtns an Hau'stiel holdn in de Finga, de koldn —
In Biri draußtn, dafrorn und laa,
wia Gspensta, so vazogn und gstarr,
reckan d Rebm in d Höh si am Droht
wia in oana schwarn enwendign Not,
und auf da Erd, de Schrolln, de hortn,
se losn volla Ongst und se wortn —
fohrt da Wintawind eiskold daher,
winslt und jammert: Nimmamehr — nimmamehr -
Furtgeh-miassn — iatzt scho?
Er häd so gern no wos ton —
konn nimma mehr sein —
in Kölla, in de Faßl, auffoamt da Wein,
und sinkt wieda zomm.
A Tropfa follt. — Gotts Nom —


Weines Kreislauf

Aus der Traube in die Tonne
aus der Tonne in das Fass
aus dem Fasse dann o Wonne
in die Flasche und ins Glas.

Aus dem Glase in die Kehle
in den Magen durch den Schlund
durch das Blut dann in die Seele
und das Wort dann in den Mund

Aus dem Worte etwas später
formt sich ein begeistert Lied
das durch Wolken in den Äther
mit des Menschen Jubel zieht.

Und am nächsten Frühling wieder
fallen dann die Lieder fein,
als Tau auf Reben nieder
und sie werden wieder Wein.


Der Weinstock

Schon vor tausenden von Jahren im alten Testament,
der Weinstock als solcher wurde erwähnt.

Als  Krone der Früchte auf dem Erdenball,
und König der Genüsse im festlichen Saal. 

Im Alter bei manchen zitternden Greis,
Kräfte spendend kalt oder heiß. 

Er wird auch leider gar oft zum Fluch,
wenn er zu reichlich genossen, ein geistiger Bruch. 

Mit Maß und Ziel getrunken er wirkt als Medizin,
lässt Kummer vergessen mit freudigen Sinn. 

Darum  genieße mit Vorsicht   den   edlen Saft,
er  ist sehr bekömmlich und gibt dir auch Kraft. 


Die Fron
Henriette Pruckner

Der Hauer muß’t sich leblang bücken,
gebeugt den Kopf und krumm den Rücken,
vom Morgendämmern, grau und fahl,
in Wetter, Sturm und Sonnenbrand,
die Haue in der Schwielenhand.
Der Weinstock wars, ders ihm befahl.

Dem war er gänzlich untertan.
Er kam nicht los aus seinem Bann.
Daß dem nichts schade, wehe tat,
damit ein gutes Bett ihm werde,
trug Dünger er, grub auf die Erde,
und Haue, Strohband, Spritzgerät,

des Werkzeugs vielgestaltge Schar
war mit dabei das ganze Jahr.
Der Weinstock war ein strenger Herr.
Welch eine Mühe ums Gedeihn!
Welch Hege, Pflege für den Wein!
Der Hauer dient ihm, hart und schwer.

Mit einbezogen in die Fron
hat früh er seine Kinder schon.
Was Schul und Aufgab, Freud und Spiel!
Es hat die schwache Kinderhand
mit Müh und Schmerzen nur umspannt
der Haue schweren harten Stiel.

Der Weinstock nahm die gute Pflege
als Anspruch, Recht. Und Schicksalsschläge
warn Anlaß nur, zu tun noch mehr.
Der Hauer trugs durchs ganze Leben.
Was sollt es für ihn andres geben?
Der Weinstock war ein strenger Herr.

Die Fron der ,,guten" alten Zeit,
ihr wißt, sie ist Vergangenheit.
Geändert hat sich hier sehr viel.
In Hochkulturen, weiten Zeilen,
da brauchts kein Bücken, kein Verweilen.
Die Müh von einst ist fast ein Spiel.


Auch Wein zu trinken is’ a Kunst
Adolf Gottron (aus schwäbischem Dialekt übersetzt)

An Weinberg pflegen is’ schon schwer,
an Wein zu pflegen noch viel mehr;
und schließlich sagt man nicht um sunst:
„Auch Wein zu trinke is’ a Kunst!“

Der Wein macht alle Sinne selig;
erst hört man fließen, klar und ölig…
Dann sieht man golden steh’n im Glase
und riecht ihn blumig mit der Nase.

Dann fühlt man kellerkühl im Traume,
dann schmeckt man,
erst auf Zung' und Gaumen!
Erst wenn der ganze Mund dabei ist,
da weiß man, was das für ein Wein ist.

Das erste Gläschen schmeckt noch sauer.
Und erst nach ziemlich langer Dauer
getraust du dich, den letzten Tropfen
zu trinken von dei'm erste Schoppen!

Und dann bestellst du dir den zweiten,
den kannst du jetzt schon besser leiden,
Tust dich mit dem Geschmack versöhnen
und tust dich langsam dran gewöhnen!

Beim dritten wirst du aber munter;
dei’ Backe und die Nas' wer'n bunter,
bei jedem Schluck, du merkst es ständig,
allmählich wird der Geist lebendig!

Ein Wink voll Würde nach dem Wirte,
und stillvergnügt bringt der die vierte,
Bei dem - das hätt’ ich bald vergessen
­da musst du unbedingt was essen,

Dann tut der fünfte vor dir steh’n,
du kommst auf glänzende Ideen,
hast Einfäll', wie noch nie im Leben,
und hast noch nie gered’t wie eben!

Und danach sitzt du vor dem sechsten.
jetzt liebst du rückhaltlos dein’ Nächsten,
dein Todfeind in normalen Zeiten,
du red’st per „du“ und kannst'n leiden.

Die siebte Halbe, der ist kritisch,
er macht die Menschen leicht politisch,
lass’ ihn weg, ganz still und sachte,
ihn überhüpf, nimm gleich die achte.

Ein jeder weiß, zum achten Gläschen,
gehört dem Mensch ein Spundekäschen;
das reizt den Gaumen, stärkt den Magen,
­kürz, man kann wieder ein’ vertragen!

Das wär’ jetzt also schon die neunte,
um dich herum sind nur noch Freunde;
die Gläser und das Hirn wer'n leerer;
die Bein’, der Kopf und Zunge schwerer.

Und von dem zehnten und vom elften
trinken zwei Schutzleut’ noch die Hälfte.
Die wollen Feierabend bieten
und dich von einem Rausch behüten.

Wer Wein trinkt, muss vor allem wissen,dort, wo die Grenz halt ist, da ist s’e.
Man darf an Karr'n nicht überlad’n ­
ein Tröpfchen mehr, das kann schon schaden!

An Weinberg pflegen ist schon schwer,
an Wein zu pflegen noch viel mehr;
und schließlich sagt man nicht um sunst:
„Auch Wein zu trinke ist a Kunst!“