990 Jahre Altenwörth
Festschrift

Unser Donauland hat im Laufe der Jahrhunderte schon sehr viele Veränderungen erlebt und die Geschichte Altenwörths ist von der Donau ge­prägt. Hier verlief der Limes, die nördliche Grenz­befestigung des Römerreiches. Durch die Völker­wanderung wechselten in diesem Raum die Völ­ker. Awaren, Hunnen, Nomaden durchzogen un­sere Landschaften. Als die Babenberger den Auf­trag erhielten, Vorpostenstellungen zu errichten und die Ostmark geschaffen wurde, trat Ruhe In unserem Raum ein, die Kolonisation begann. Ge­biete und Landstriche wurden an Klöster, Abteien und an den Landadel zur Urbarmachung und Besiedlung als Schenkung und als Lehen abge­geben.
Es geht aus einer Schenkungsurkunde von Hein­rich II. an die Abtei Kremsmünster hervor, dass der Landstreifen mit mehreren Inseln in und an der Donau, damals Werder genannt, an Sigismar Anno 1013 abgetreten wurde. Anno 1014 sandte Abt Sigismar Mönche und Gefolgsleute zur Ur­barmachung seiner Besitzungen in unsere Lande. Unserem Orte und unserer Insel wurde nach sei­nem Herrn, der Name Sigismariswerde gegeben. Mit der Besiedlung wurde ein kulturell-kirch­liches Zentrum geschaffen. Hier legten Schiff-, Fähr- Handelsleute wie Treidelknechte an. Unser Werder blühte auf. Salz, Gebrauchsgüter, Holz und landwirtschaftliche Güter wurden verladen. Handel und Wandel war wieder auf der Donau von Passau bis Wien. Leere Schiffe - Pletten wur­den wieder stromaufwärts getreidelt, Pferde zo­gen sie von einer Relaisstation zur andern. Auch hier war eine, die noch unter dem Namen Knödel­hütte in Überlieferung ist. Um aber auch dem tagscheuen Mord- und Diebsgesindel Herr zu werden, wird hier die Gerichtsbarkeit in Form eines Landgerichts ausgeübt. Im Ort war ein Pranger, eine Stange mit Ring und steinerner Kugel, der das Marktrecht zeugte.
Landeinwärts zum Wagram entstanden Orte wie Altendorf, das heutige Neustift, Winkl, das zu den Winkelbergern gehörig war, Michälis, ein blühen­der Ort zwischen Bierbaum und Neuaigen ge­legen, werden in Verbriefungen erwähnt. Diese Orte wurden im Laufe der Jahrhunderte des Öfteren durch Naturgewalten wie Hochwasser Eisstöße, Epidemien, Hungersnöte, Heuschrecken­schwärme arg heimgesucht und auch zur Ganze zerstört. Aus Archiven liest man von Hochwasser in den Jahren: 1173, 1210, 1275, 1375, 1490, 1508, 1615 1758 1786, 1790, 1794, 1862, 1879, 1883, 1890, 1897, 1899, 1923, 1954 und zuletzt 2002. Dies zeigt, welch wechselvolles Leid unsere Orte mitmachen mussten. Auch Eisstöße brachten immer wieder große Gefahr und hier wurden aufgezeichnet die Jahre: 1789, 1795, 1809, 1848, 1849, 1929, 1941 und 1942. Heuschreckenjahre waren: 1338, 1393, 1444 und 1615.
1217 war eine verheerende Hungersnot, 1256 ein tropischer Sommer, 1679 die Pest und 1844 eine Blatternepidemie und am 30. Juni 1853 wird von einen Hagelschlag mit gänseeigroßen Schloßen berichtet. Kriegszüge der Awaren, der Türken, das Schwedenheer unter Thorstenson 1645, Na­poleon'sche Regimenter 1809 und 1945 russische Einheiten, brachten schwere Zeiten und Rück­schläge für Land und Leute.

Altenwörth, Wörth - aus ahd. uarid, mhd. wert ­bedeutet soviel wie: eine mit Bäumen bestandene Insel - Altenwerder wie es im 17. bis 18. Jahr­hundert noch hieß, blieb ein freies Land und ge­hörte keiner Güterdomäne direkt an, obwohl die Herrschaft Grafenegg rings umliegende Besitzun­gen hat und ein Forsthaus erbaute. Im 17. Jahr­hundert baute man wieder eine Holzkirche, die später einem Brand zum Opfer fiel. Anno 1784 als Josefinische Pfarre und bereits 1715 mit patronatsrechten Göttweigs versehen, wird 1786 die jet­zige Kirche auf den Kirchenpatron Andreas ge­weiht. Das Standbild des HI. Nepomuk stammt aus dem Jahre 1715. Die neu gebaute Kapelle besteht seit 1933. Die Kirche wurde 1962 mit einem Volks­altar versehen und renoviert. In den gleichen Jahren wird eine Pfarrschule eingerichtet, die 1770 neu erbaut und dann 1913 niedergerissen und durch die heute noch bestehende Volksschule ersetzt wird. Baukosten waren 39.428 Kronen und 9 Kreuzer .

Das 18. und 19. Jahrhundert zeichnet sich für Altenwörth als Ruhephase für seine Wirtschaft und sein Leben ab. Der Ort wird verstärkt Umschlag­platz für seine Produkte. Die Auwaldungen mit ihrem Holzreichtum hatten zur Folge, dass das erste Sägewerk im Raume Stockerau - Krems als Dampfsägewerk eingerichtet wird. Schnitt­waren, Dachstühle, Zimmereiarbeiten gehen in die ganze Umgebung sogar bis Wien und in das Weinviertel. Im Mühlwasser werden Schiffsmühlen betrieben, die 1875 und 1882 einem Brand zum Opfer fallen. Die Kapazität des Ortes ersieht man an seinen Handwerkern. Der Ort beheimatete eine Schmiede, einen Wagner, Fassbinder, Fleischer, Bäcker, Schneider, Schuster, Barbier, drei Gast­häuser, zwei Sägewerke, drei Holzhändler, Viktualienhandel, zwei Kaufhäuser, Zimmerei, Flößer, Nauführer und Lotsen. 1872 bis 1886 bestand eine Schiffsstation der Donauschifffahrt, die viele Ur­lauber aus der Residenzstadt Wien in unseren Donauort brachte. Sommerfrischler wie sie ge­nannt wurden, waren immer gern gesehene Gäste.

Von 1890 bis 1920 wird unsere Gemeinde mit der Gemeinde Kollersdorf - Sachsendorf vereinigt. Das 20. Jahrhundert verändert das Antlitz Altenwörths. Der Donauhandel verlagert sich zur Großschifffahrt und zu den Häfen als Umschlagplätze, die Holzflößerei musste den modernen Verkehrsmitteln weichen. Fachleute verzogen, die Landflucht be­gann.

Der Erste und Zweite Weltkrieg verlangte seinen Tribut an Männern des Ortes. Besonders der Zweite Weltkrieg hinterließ viele Spuren, da unser Ort in die Kriegsgeschehnisse direkt einbezogen war, da die Front unsere Donau bildete. Südlich in den Auen, dem großen Grund genannt, lagerten russische Artillerie, die unseren Ort und das Hinterland unter Beschuss nahmen. Viele Häu­ser wurden arg beschädigt, etliche brannten ab, viele Opfer mussten beklagt werden. In der Be­satzungszeit hatten wir eine russische Marineein­heit in unmittelbarer Nähe in der unteren Au ein­quartiert. Unsicherheit überall. Mutige Männer wie Bürgermeister Waltner, späterer Landesrat, un­ser unvergesslicher Hw. Pfarrer Berthold, Schul­leiter Dir. Süß, Dir. Riediger sowie der Gendar­merieposten brachten wieder Sicherheit und Ord­nung in unseren Ort.
Altenwörth erlebte einen Aufschwung, wurde doch der Ort 1947/48 elektrifiziert, 1951 das Amtshaus mit Post, Gendarmerie, Feuerwehr und Wohnun­gen erbaut, Grundaufstockungen von den Metter­nich'schen Gütern übernommen, die Ortsteile Altenwörth wie Gigging mit Abwasserkanalsyste­men versorgt, die Ortsstraßen staubfrei gemacht. Die Feuerwehr erhielt eine neue Ausrüstung u. v. m. Mitten in die Bauperiode kam völlig überraschend im Jahre 1954 das Donauhochwasser, das in sei­ner Höhe weit das hundertjährige überstieg und sehr bedrohlich für den Ort wurde. Hier schrieb sich in unsere Chronik der Vizebürgermeister und Feuerwehrhauptmann Anton Hametner mit golde­nen Lettern ein. Er war es, der in Unerschrocken­heit, raschem Handeln, Wehren gegen das anströ­mende Wasser errichtete, Menschen und Tiere evakuierte und einen straffen Katastrophendienst aufstellte. Der Hochwasserschutzdamm wurde überhöht. Die Ortsvermessung wurde durchgeführt, die dann die Grundlage dazu bildete, dass Altenwörth als viel­leicht erste Gemeinde Niederösterreichs einen Raumordnungsplan erhielt, der auch schon der Strukturänderung zur Erholungs- und Fremdenver­kehrsgemeinde Rechnung trug. Für unsere Land­wirtschaft wurden die Güterwege neu ausgebaut und unsere Felder zweckentsprechend komassiert. 1961 wurde die Ringwasserleitung installiert und sieben Orte mit einer gesunden Wasserversor­gung versehen. Diese Unternehmungen verdan­ken wir unserem Landesrat Waltner.
Altenwörth als Fremdenverkehrsgemeinde musste sich umstrukturieren und so wurde mit der Aus­schmückung und Auspflanzung unserer Ortsge­biete begonnen, Bauflächen wurden unseren Siedlern zur Verfügung gestellt und es begann eine rege Bautätigkeit. Die Schulreform klopfte auch an unsere Türe, die Schule sollte geschlossen wer­den, ja die Gemeinde selbst war zur Zusammen­legung mit der Marktgemeinde Kirchberg bestimmt.

Bürgermeister lng. Hans Knofel mit seinem ein­stimmig gesinnten Gemeinderat versuchte alles, um dies zu verhindern. Die Neuzeit mit ihren rasch wechselnden Geschehnissen brachte uns ein Großprojekt von eminenter Bedeutung: den Bau eines Donaukraftwerkes, das unseren Namen auf ewige Zeiten trägt. Diese letzte Gemeinde­epoche, reich an Arbeit und auch an Sorgen, nützten wir gerne für unseren schönen Ort und der Dank gilt noch Vielen durch Generationen, die eine Heimat kannten und für sie eintraten. Am 2. Jänner 1972 war es dann soweit, dass Alten­wörth als eigenständige Gemeinde ausgelöscht war.